Bericht aus Berlin vom 16.06.2023

Eine volle Sitzungswoche erkennt man an vielen Dingen: Der Gong dröhnt im Minutentakt zur Abstimmung, die Tagesordnungspunkte im Plenum rutschen immer weiter nach hinten und man schaut selbst in Ausschuss- und AG-Sitzungen immer wieder ins Parlamentsfernsehen, damit man ja nichts Wichtiges verpasst! Oft finden Termine parallel zueinander statt.

Diese Woche durfte ich den Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zum Thema Mutterschutz für Gründerinnen und Selbständige präsentieren. Ein wichtiges Anliegen, zu dem von der Ampel – trotz großer Ankündigungen – nichts kommt. Dabei benötigen die betroffenen Frauen dringend Unterstützung durch die Gesellschaft! Meine Rede im Plenum habe ich weiter unten verlinkt.

Dass im Bundestag die heiße Endspurt-Phase vor dem Sommer angelaufen ist, erkennt man auch am Chaos in der Ampel-Koalition: Um eine Haushaltskrise abzuwenden, muss die Bundesregierung noch vor der Sommerpause einen tragfähigen Gesetzentwurf vorlegen – das und mehr fordern wir diese Woche in unserem Leitantrag „Bundeshaushalt für 2024 vorlegen, Haushaltskrise abwenden“. Ein weiteres Brennpunktthema ist der zunehmende Medikamentenmangel, der auch in Schleswig-Holstein immer mehr Familien trifft. Fiebersäfte und Antibiotika für Kinder waren wochenlang nicht oder nur sehr schwer zu bekommen. Statt langfristige Lösungsvorschläge zu präsentieren, setzt Bundesgesundheitsminister Lauterbach jedoch lieber auf fehlgeleitete Projekte wie die geplante Cannabis-Legalisierung. Deshalb haben wir die Bundesregierung diese Woche in einer Aktuellen Stunde zum Handeln aufgerufen.

Mein (unpolitisches) Highlight der Woche war der Empfang des Internationalen Parlaments-Stipendiums am Donnerstagabend, mit Speisen und Getränken aus aller Welt. Auch unser „IPSler“, Sebastián, hat sich für seinem Kolumbien-Stand richtig ins Zeug gelegt!

 

Mehr Mutterschutz für Selbständige und Gründerinnen

Für Arbeitnehmerinnen ist es selbstverständlich, dass sie von Beginn der Schwangerschaft an besonderen Schutz genießen – spätestens seit der Verabschiedung des bundesweit einheitlichen Mutterschutzgesetzes von 1952. Aber: Was ist mit Gründerinnen und Selbständigen?

Das Alter, in dem heutzutage Unternehmen gegründet werden, liegt häufig genau in der Altersspanne der Familiengründung. Dies gilt insbesondere für innovative Geschäftsideen, von denen wir in Deutschland dringend mehr benötigen, um im internationalen Wettbewerb Schritt halten zu können. Gerade bei Selbständigen im Handwerk, in körpernahen Dienstleistungen oder Betreuungstätigkeiten kann es zu kompletten Ausfällen kommen – schlimmstenfalls zum Betriebsstillstand.

Für uns ist klar: Auch diese für unsere Gesellschaft und Wirtschaft unverzichtbare Gruppe von Gründerinnen und Selbständigen muss unbürokratisch Mutterschaftsgeld erhalten. Ganz gleich, ob sie privat oder gesetzlich versichert sind.

Auch die Beantragung des Elterngeldes ist für Selbständige alles andere als unkompliziert. Wir müssen das Verfahren dringend an die Lebensrealität der Familien anpassen. Die jetzigen Regelungen sind nicht fair und vor allem: Sie sind nicht zeitgemäß! Eine Neuregelung ist deshalb auch eine Frage der wirtschaftlichen Vernunft. Als CDU/CSU-Bundestagsfraktion haben wir einen Antrag vorgelegt, in dem wir konkrete Vorschläge machen, wie der Gesetzgeber auch Selbständige und Gründerinnen besser unterstützen kann.

Ich bin fest davon überzeugt: Wir müssen es ihnen nicht nur leichter machen, wir müssen sie fördern. Denn was wir als Gesellschaft brauchen, ist mehr von diesem Mut, diesem Engagement und mehr von den Ideen dieser Frauen!

Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages hat eine Petition der selbständigen Tischlermeisterin Johanna Röh mit dem höchsten Votum "zur Berücksichtigung" bewertet. Ich hoffe, dass das Bundesfamilienministerium nun bald einen Gesetzentwurf vorlegt. Angekündigt wurde er schon oft, passiert ist nichts.

Gestern habe ich zu unserem Antrag im Plenum gesprochen. Meine Rede finden Sie hier.

Vernünftige Haushaltspolitik statt Ampel-Chaos

Die Bundesregierung kommt bei der Haushaltsplanung nicht „in die Pötte“. Am Montag verstrich eine Frist, innerhalb der die Ministerien ihre Einzelpläne für die Aufstellung des Bundeshaushalts 2023 beim Bundesfinanzminister vorlegen sollten. Das liegt auch daran, dass sich die Ampel – trotz absehbarer Staatseinnahmen von knapp einer Billion Euro – mit der Einhaltung der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse schwertut. Für die notwendigen Einsparungen von 20 Milliarden Euro gibt es aber noch keine Einigung. Dabei ist es für die Handlungsfähigkeit und Verlässlichkeit Deutschlands von zentraler Bedeutung, dass die Aufstellung eines Haushaltsentwurfs jetzt endlich gelingt und die parlamentarische Beratung beginnen kann. Wir fordern deshalb in unserem Leitantrag, dass die Ampel noch vor der parlamentarischen Sommerpause einen Regierungsentwurf vorlegt, der unter Verzicht auf Steuererhöhungen und Einhaltung der Schuldenbremse echte Prioritäten setzt. Wir werben für ein Bekenntnis zum Zwei-Prozent-Ziel der NATO und sprechen uns für Maßnahmen aus, die zur Überwindung des Wirtschaftsabschwungs, zu langfristiger Preisstabilität sowie zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum führen. Die innere Zerrissenheit der Ampel darf nicht die Stabilität des Landes gefährden!

Für eine zuverlässige Arzneimittelversorgung auf dem Land

Es fehlt landesweit an Fiebersäften, Antibiotika, Insulin und Krebsmedikamenten – und die Hilferufe werden immer lauter: Von Eltern, die ihre Kinder stationär im Krankenhaus behandeln lassen müssen, weil Antibiotika fehlen. Aber auch von Ärzten und Apothekern, die sich von der Politik im Stich gelassen fühlen! Das ist auch einer der Gründe für den bundesweiten Apothekerstreik, von dem wir alle auf die eine oder andere Weise betroffen sind.

Passiert ist von Seiten der Bundesregierung herzlich wenig, denn für Gesundheitsminister Lauterbach scheint es „wichtigere“ Themen zu geben. Zum Beispiel Cannabis: Mir liegt ein 94-seitiger Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums vor, der die Freigabe dieses gefährlichen Suchtmittels an junge Menschen ab 18 Jahren vorsieht. Das ist an Zynismus kaum zu überbieten und ignoriert die drängenden Probleme in diesem Land!

Denn Aussitzen kommt bei diesem Thema nicht in Frage! Wir als CDU/CSU-Bundestagsfraktion haben deshalb eine Aktuelle Stunde über den zunehmenden Medikamentenmangel einberufen, in der wir die Bundesregierung zu entschiedenem Handeln aufrufen. Jetzt müssen alle Kräfte gebündelt werden und die Medikamentenbeschaffung verbessert werden! Außerdem braucht es ein nationales Frühwarnsystem, um auf künftige Lieferengpässe bei versorgungsrelevanten Arzneimitteln rechtzeitig reagieren zu können.

Parlamentarische Gedenkstunde zum 17. Juni

Auf Einladung der Bundestagspräsidentin fand heute eine Parlamentarische Gedenkstunde zum DDR-Volksaufstand am 17. Juni statt, der sich diese Woche zum 70. Mal jährt. Hunderttausende brachten im Juni 1953 den Mut auf, der SED-Diktatur die Stirn zu bieten. Über fünfzig von ihnen bezahlten für ihren Mut mit ihrem Leben – wurden erschossen, hingerichtet, erlagen ihren Verletzungen oder starben in Haft. Wir dürfen sie nicht vergessen!

Im Rahmen der Gedenkstunde wurden bewegende Zeitzeugenberichte vorgetragen, unter anderem die Erinnerungen von Helfried Dietrich aus Norderstedt, der heute im Deutschen Bundestag zu Gast war. Mein Dank gilt allen, die ihre Geschichte erzählen.

In der letzten Wahlperiode haben wir uns gemeinsam mit der SPD dazu entschlossen, ein Mahnmal für die Opfer der SED-Diktatur und den Widerstand gegen die kommunistische Gewaltherrschaft zu errichten. Ich bin dankbar, dass ich dieses Vorhaben als Obfrau im Kulturausschuss so intensiv begleiten durfte. Es war und ist mir eine Herzensangelegenheit!

IPS-Empfang

Für den Empfang des Internationalen Parlaments-Stipendiums (IPS) haben Stipendiaten aus aller Welt dutzende Stände mit heimischen Spezialitäten vorgestellt. Das ganze Foyer des Paul-Löbe-Hauses war ein bunter Markt voller fröhlicher Menschen! Sebastián, unser „IPSler“, zeigte mir an seinem Stand einige der kulinarischen Highlights aus Kolumbien: Kaffee, Empanadas (gefüllte Teigtaschen) und Buñuelos (frittierte Bällchen mit Mais und Käse). Auch eine frische kolumbianische Avocado durfte ich mitnehmen! Sebastián war letzte Woche übrigens zu Besuch in der Heimat; ich finde es toll, wie dieses Austauschprogramm Menschen und Kulturen zusammenbringt.

Heute Nachmittag nehme ich als Delegierte am Bundesausschuss der CDU Deutschlands teil. Im Konrad-Adenauer-Haus werden wir wichtige Fragen rund um die inhaltliche Ausrichtung und das Grundsatzprogramm unserer CDU diskutieren. Nach einer kurzen Verschnaufpause in der Heimat geht es ab Montag in Berlin weiter. Ein besonderes Highlight vorweg: Meine Teilnahme am Luftwaffenmanöver „Air Defender 2023“ am 20. Juni in Jagel. Ich halte Sie auf dem Laufenden!

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

Herzliche Grüße
Ihre Melanie Bernstein