Debatte zur Legalisierung von Abtreibungen
Die verbliebene Koalition aus SPD und Grünen entdeckt auf den letzten Metern ihrer gescheiterten Regierung neue Wahlkampfthemen. Jetzt soll also eine Abschaffung des § 218 her, inklusive des unvermeidlichen Fingerzeigs in Richtung Union, wir seien „gegen das Selbstbestimmungsrecht der Frauen“.
Als Frau, Mutter und Familienpolitikerin sage ich: das ist Unsinn, wie das ganze Verfahren. Wir haben in Deutschland einen guten und seit Jahrzehnten tragfähigen Kompromiss zu diesem Thema. Der sagt:
- Keine Frau wird für eine Abtreibung innerhalb der erlaubten Frist strafrechtlich verfolgt, übrigens auch keine Ärztin und kein Arzt.
- Es gibt eine Beratungspflicht. Die ist auch wichtig, denn dort werden den Schwangeren konkrete Hilfsangebote vorgestellt, von denen viele gar nichts wissen.
- Die Beratungspflicht und die dreitägige Wartezeit bis zu einem möglichen Eingriff garantieren, dass sich Frauen seriös und überlegt informieren können und im Übrigen auch keinem Druck vom Partner oder der Familie nachgeben müssen, sich sofort für eine Abtreibung zu entscheiden. Ein paar Tage des Nachdenkens über so eine existentielle Entscheidung finde ich absolut geboten.
Mit der planlosen und schnell durchgepeitschten Abschaffung entfiele diese Beratung, was natürlich auch für die gewachsenen Beratungsstrukturen vor Ort fatal wäre. Diese wären dann mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr auskömmlich finanziert. Auch eine freiwillig wahrgenommene Beratung könnte scheitern, weil es gar keine flächendeckenden Beratungsplätze mehr gäbe.
Hier wird ohne Not ein gesellschaftlicher Kompromiss aufgekündigt, noch dazu von einer gescheiterten Regierung mit dem einzigen Ziel, der Union im Wahlkampf vermeintliche Rückständigkeit vorzuwerfen. Das finde ich diesem Thema in keiner Weise angemessen. Ungeborenes Leben ist kein Wahlkampfthema!